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BRAUCHTUM & FESTE · Oktober / November

Samhain.
Wenn die stillere Zeit beginnt.

Ein Fest der keltischen Tradition: Samhain verbindet den Übergang in die Winterzeit mit alten Geschichten, Erinnerung und heutigen Wegen durch den Jahreskreis.

31. Oktober / 1. NovemberLaternen · Geschichten · ErinnerungDen Brauch entdecken ↓

HERBSTLICHT. ZEIT FÜR GESCHICHTEN.

01 / Kurz erklärt

Wenn der Abend Raum für Geschichten schafft.

Ein Licht am Fenster, Äpfel auf dem Tisch und Geschichten von Menschen, die uns fehlen: Der Übergang in die dunklere Jahreszeit hat viele Stimmen.

Samhain gehört zur keltischen Festtradition und markiert den Übergang in die Winterzeit. Besonders anschaulich begegnet es uns in irischen Überlieferungen. Heute hat es auch im spirituellen Jahreskreis vieler Menschen einen festen Platz. [2] [7]

Im traditionellen irischen Festkalender bezeichnet Samhain den Winterbeginn am 1. November. Gefeiert wurde besonders am Vorabend. In den Überlieferungen begegnen uns Geselligkeit und Verkleidung ebenso wie die Vorstellung, dass die Verstorbenen dem Zuhause wieder nahekommen. [1]

Heute finden Menschen über unterschiedliche Wege zu diesem Fest: über irische Brauchgeschichte, Halloween oder einen spirituellen Jahreskreis. Die Geschichten dahinter laden dazu ein, den Herbst bewusster wahrzunehmen und danach zu fragen, was wir durch den Winter mitnehmen möchten.

02 / Termin & Jahreslauf

Eine Schwelle zwischen Oktober und November.

DER VORABEND

31. Oktober

Die Nacht vor dem traditionellen Festtag

IM IRISCHEN FESTKALENDER

1. November

Samhain als Beginn der Winterzeit

Das National Museum of Ireland beschreibt den Vorabend als die Zeit, in der ein großer Teil der Feiern stattfand. Die irische Bezeichnung Oíche Shamhna gehört zu diesem Zusammenhang. Der Name Halloween verweist zugleich auf den Abend vor Allerheiligen: auf All Hallows’ Eve. [1]

In heutigen paganen Gemeinschaften liegt Samhain meist um den 31. Oktober beziehungsweise Anfang November. Manche verstehen es als Beginn ihres rituellen Jahres. Diese lebendige Deutung gehört zur heutigen Vielfalt des Festes. [7]

03 / Geschichte & Erzählungen

Alte Texte öffnen eine Tür.

In mittelalterlichen irischen Erzählungen ist Samhain eine besondere Zeit für Begegnungen mit der Anderswelt. Ein Beitrag des University College Cork zeigt dies an Fíngens Nachtwache: Eine Frau aus der Welt der síde berichtet dem menschlichen Zuhörer in der Samhainnacht von verborgenen und wunderbaren Dingen. [2]

Daneben nennt der Beitrag einen Eintrag in den Annalen von Tigernach zum Jahr 1084. Er handelt von einem Mann, der zu Samhain nach Newgrange gegangen sein soll, um Zukunftswissen zu erlangen. Erzählung und Annalennotiz zeigen, welchen Platz die Nacht in der Vorstellungskraft ihrer Zeit hatte. Sie erzählen nicht denselben Ablauf eines überall gefeierten Festes. [2]

Gerade die einzelnen Zeugnisse machen die Überlieferung anschaulich. Wir begegnen Menschen, Orten und Geschichten, statt uns eine einzige unveränderte Feier über viele Jahrhunderte vorzustellen.

04 / Bräuche & Begegnungen

Masken, Spiele und ein gemeinsamer Tisch.

Verkleidet von Haus zu Haus

Das irische Nationalmuseum beschreibt verkleidete Besucher, die bei den Nachbarn auftraten und für ihre Unterhaltung eine Gabe erhielten. Masken und Streiche machten den Abend zu einer Gelegenheit, für eine Weile eine andere Rolle anzunehmen. [3]

Äpfel, Nüsse und Fragen an die Zukunft

Herbstfrüchte gehörten zum Essen und zu Spielen. Auch der Früchtekuchen báirín breac, meist Barmbrack genannt, war mit Zukunftsdeutungen verbunden: Ein darin verborgener Ring konnte beispielsweise eine bevorstehende Heirat anzeigen. Solche Deutungen erzählen von Wünschen und Hoffnungen der Feiernden. [3]

Feuer in der Gemeinschaft

Gemeinschaftliche Feuer gehören ebenfalls zum beschriebenen irischen Halloween-Brauchtum. Das Museum weist zugleich auf regionale Unterschiede hin: Im Westen Irlands war das Sommerfeuer am Vorabend von Johanni verbreiteter. Feuer können ähnliche Bilder schaffen und dennoch zu verschiedenen Festgeschichten gehören. [3]

05 / Eine Laterne aus Donegal

Ein kleines Objekt erzählt vom großen Fest.

Eine ausgehöhlte Rübe mit einem unheimlichen Gesicht: Im National Museum of Ireland macht die Ghost turnip einen früheren Laternenbrauch greifbar. 1943 erhielt das Museum eine Rübenlaterne von der Lehrerin Rois Ní Braonáin aus der Gegend von Fintown in Donegal. Nach ihrer Auskunft hatte man dort um 1900 solche Laternen angefertigt. [4]

Die Museumskünstlerin Eileen Barnes schuf das bemalte Gipsmodell, das den vergänglichen Gegenstand bewahrt. Kerzen in den Rüben sorgten am 31. Oktober für gruselige Gesichter. Der heute vertraute Kürbis wird im Sammlungseintrag als amerikanische Weiterentwicklung dieser irischen Tradition eingeordnet. [4]

Ein solches Stück macht Brauchgeschichte nahbar: Aus einem Gemüse, handwerklicher Arbeit und etwas Licht entsteht ein Gegenstand, an den Menschen sich noch lange erinnern.

06 / Halloween & Gedenktage

Nachbarn im Kalender, eigene Geschichten.

Halloween, Samhain, Allerheiligen und Allerseelen begegnen uns innerhalb weniger Tage. Ihre Beziehungen lassen sich besonders gut verstehen, wenn wir sowohl die Berührungspunkte als auch die jeweiligen Hintergründe betrachten.

1. NOVEMBER

Allerheiligen

Das kirchliche Fest erinnert an alle Heiligen. Seine Geschichte führt auch zum frühen christlichen Märtyrergedenken und zu Festterminen im Frühjahr. Der Novembertermin setzte sich später durch. [6]

2. NOVEMBER

Allerseelen

Hier steht das Gedenken an die verstorbenen Gläubigen im Mittelpunkt. Für die Verbreitung des Tages war Abt Odilo von Cluny maßgeblich. Das Gedenken hat damit eine eigene kirchliche Geschichte. [6]

Die zeitliche Nähe verbindet diese Tage im Erleben vieler Menschen. Sie allein erklärt aber noch nicht ihre Entstehung. Wer sich für Grabbesuche, Lichter und christliche Erinnerungskultur interessiert, findet in unseren Seiten zu Allerheiligen und Allerseelen den passenden nächsten Schritt.

07 / Samhain heute

Erinnerung bekommt einen Platz.

Für die heutige druidische Gemeinschaft Order of Bards, Ovates & Druids ist Samhain ein Fest des Erinnerns an verstorbene Freunde und Angehörige. Ihre Darstellung zeigt, dass dieser Jahreszeit auch heute eine ausdrücklich religiöse Bedeutung gegeben wird. [5]

Das heute verbreitete Jahresrad mit acht Festen erhielt seine gegenwärtige Form im 20. Jahrhundert. Es verbindet Sonnenwenden und Tagundnachtgleichen mit weiteren saisonalen Festen. Samhain wird darin von vielen, aber nicht allen paganen Gemeinschaften begangen. Alte Namen und Motive erhalten in dieser Praxis neue Zusammenhänge. [7]

Eine eigene Form finden

Auch ohne religiöse Feier lässt sich der Abend bewusst gestalten. Die folgenden Ideen sind heutige Anregungen von KrautKult:

  1. Eine Erinnerung teilen. Ein Foto oder einen vertrauten Gegenstand mitbringen und erzählen, welcher Mensch oder welche Geschichte damit verbunden ist.
  2. Den Herbst an den Tisch holen. Gemeinsam etwas aus Äpfeln oder anderem Obst der Saison zubereiten. Beim Essen darüber sprechen, was dieses Jahr besonders war.
  3. Eine Familiengeschichte bewahren. Nachfragen, wie die älteren Generationen die Herbstabende erlebt haben. Namen, Ort und ungefähre Zeit notieren, damit die Erinnerung ihren Zusammenhang behält.

Es darf dabei still werden und es darf gelacht werden. Welche Form passt, entscheiden die Menschen, die zusammenkommen.

08 / Im KrautKult-Archiv

Der Jahreskreis verbindet die Geschichten.

Ein Fest erschließt sich auch über seine Nachbarn. Diese Verbindungen führen von der irischen Überlieferung zu unseren bereits bearbeiteten Themen:

09 / Quellen & Weiterlesen

Den Spuren weiter folgen.

Museumsobjekte, historische Texte und Stimmen heutiger Gemeinschaften beleuchten unterschiedliche Seiten des Festes.

01

National Museum of Ireland · Halloween / Samhain ↗

Die volkskundliche Sammlung ordnet Samhain in den traditionellen irischen Kalender ein und erklärt den Stellenwert des Vorabends. Sie verbindet den Festtermin mit überlieferten Spielen und Vorstellungen. Für unsere Seite liefert sie den Ausgangspunkt; spätere Bräuche werden deshalb nicht pauschal in die vorchristliche Zeit zurückdatiert.

02

University College Cork · Secrets at Samhain ↗

Der Beitrag aus der irischen und keltischen Philologie erschließt Samhain anhand mittelalterlicher Erzählungen und eines Annaleneintrags. Er macht das Motiv der Begegnung mit der Anderswelt an konkreten Texten sichtbar. Diese Zeugnisse tragen den Abschnitt zur Überlieferung, ohne daraus einen einheitlichen Ablauf früher Feste abzuleiten.

03

National Museum of Ireland · Überlieferte Halloween-Bräuche ↗

Die Leiterin der volkskundlichen Sammlung, Clodagh Doyle, erläutert Verkleidungen, Spiele, Speisen und gemeinschaftliche Feuer. Ihre Beispiele zeigen, wie vielfältig ein Festabend gestaltet wurde. Wir nutzen sie für konkrete irische Brauchformen und achten auf den Unterschied zwischen überlieferter Vorstellung und heutigem Umgang damit.

04

National Museum of Ireland · Ghost turnip ↗

Der Sammlungseintrag nennt Herkunft, Eingangsdatum und Herstellung des ausgestellten Rübenmodells. Gerade diese Angaben machen den Gegenstand wertvoll: Er veranschaulicht einen örtlichen Brauch aus Donegal um 1900. Zugleich lässt sich daran zeigen, wie Museen vergängliche Alltagsgegenstände für spätere Generationen festhalten.

05

Order of Bards, Ovates & Druids · Samhain Festival ↗

Die heutige druidische Gemeinschaft beschreibt Samhain als Anlass für Erinnerung und die Würdigung Verstorbener. Wir verwenden diese Selbstdarstellung als Einblick in gegenwärtige religiöse Praxis. Ihre weiterreichenden Aussagen über die Antike dienen hier nicht als historische Belege; heutige Bedeutung und alte Überlieferung erhalten jeweils ihren eigenen Platz.

06

Bistum Trier · Allerheiligen und Allerseelen ↗

Die kirchliche Darstellung erläutert die eigene Entstehungsgeschichte der beiden Novembertage, vom frühen Märtyrergedenken bis zum Allerseelengedenken in Cluny. Sie hilft, die zeitlich benachbarten Feste präzise zu unterscheiden. So werden gemeinsame Themen wie Erinnerung sichtbar, ohne die verschiedenen religiösen Geschichten miteinander gleichzusetzen.

07

Religion Media Centre · Factsheet Samhain ↗

Die Religionswissenschaftlerin Jennifer Uzzell beschreibt Samhain im heutigen Paganismus und erläutert die moderne Zusammenstellung des achtteiligen Jahreskreises. Der Beitrag ergänzt die Selbstdarstellung der Druiden um eine fachliche Einordnung. Besonders hilfreich ist er für die Frage, wie heutige Gemeinschaften ältere Namen und Motive aufgreifen und neu gestalten.

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