BRAUCHTUM & FESTE · Dezember
Weihnachtsbräuche.
Was uns die Festtage vertraut macht.
Ein geschmückter Baum, die Krippe und Geschichten am Tisch: Entdecke Weihnachtsbräuche, ihre vielfältigen Wurzeln und kleine Traditionen für heute.
VERTRAUTE DINGE. GEMEINSAME ZEIT.
01 / Kurz erklärt
Vertraute Dinge, die Geschichten tragen.
Eine Kiste mit Baumschmuck wird geöffnet. Zwischen Papier und Stroh liegt ein Stern, der schon viele Winter gesehen hat. Auf dem Tisch wartet die Krippe, aus der Küche kommt ein vertrauter Duft. Oft sind es solche kleinen Wiederholungen, an denen wir merken: Jetzt ist Weihnachten.
Zum christlichen Fest der Geburt Jesu haben sich vielfältige Bräuche entwickelt. Baum und Krippe, Geschenke und Lieder erzählen dabei jeweils ihre eigene Geschichte. Was heute selbstverständlich zusammengehört, ist über lange Zeit gewachsen und hat sich von Ort zu Ort verändert. [1][2]
Diese Seite führt durch einige dieser Geschichten. Sie lädt dazu ein, genauer hinzusehen: Was bedeutet uns ein Gegenstand? Wer hat einen Brauch weitergegeben? Und welche Form möchten wir selbst bewahren?
02 / Termin & Jahreslauf
Vom Heiligen Abend in die Weihnachtstage.
24. Dezember · Heiligabend
Der Abend vor dem ersten Weihnachtstag bildet im deutschsprachigen Raum einen vertrauten Auftakt der Feier. Gottesdienst, gemeinsames Essen und Bescherung können dazugehören. Wie der Abend abläuft, unterscheidet sich zwischen Familien und Gemeinden. [1][2]
25. und 26. Dezember · Weihnachtstage
Der 25. Dezember ist das christliche Geburtsfest Jesu. Im hiesigen Festkalender schließt sich am 26. Dezember der zweite Weihnachtstag an. Für die kirchliche Bedeutung und die Einordnung des Datums führt unser Kalendereintrag Weihnachten weiter; hier stehen die Bräuche im Mittelpunkt. [1]
Die Feierzeit reicht über diese Tage hinaus und wird regional und kirchlich unterschiedlich gegliedert. Für unseren Brauchtumskalender bündeln wir die Weihnachtsbräuche unter dem 24.–26. Dezember. Das ist eine Orientierung für die Festtage, keine einheitliche Frist zum Aufstellen oder Abräumen von Schmuck.
Im Naturjahr liegen diese Tage nahe der Wintersonnenwende. Dort steht der Wechsel der Tageslänge im Mittelpunkt. Hier begegnen wir den Geschichten und Gestaltungen des Weihnachtsfestes.
03 / Ein Fest im Wandel
Wie das Wohnzimmer zum Festort wurde.
Viele vertraute Formen unserer häuslichen Weihnachtsfeier erhielten im 19. Jahrhundert eine besonders prägende Gestalt. Das Deutsche Historische Museum beschreibt den geschmückten Baum, die Familienrunde, Hausmusik und Bescherung als Bestandteile des bürgerlichen Festes. Zugleich wuchs ein Markt für Baumschmuck und Weihnachtsgaben. [2]
Das erklärt, weshalb sich in einer einzigen Weihnachtskiste sehr verschiedene Zeiten begegnen können: ein übernommenes Stück, ein später gekauftes und etwas gerade selbst Gemachtes. Ein Brauch bleibt lebendig, indem Menschen ihn aufnehmen und weitergestalten.
Wer nach seiner Geschichte fragt, kann deshalb beim Konkreten beginnen: bei einer Krippe, einer Figur oder der Erinnerung an einen bestimmten Abend. Die Frage „Seit wann machen wir das so?“ öffnet oft mehr Türen als die Suche nach einem einzigen Ursprung für das ganze Fest.
04 / Baum & Schmuck
Ein Stück Grün bekommt einen Ehrenplatz.
Geschmückte Weihnachtsbäume sind älter als ihre allgemeine Verbreitung in den Wohnzimmern. Das Germanische Nationalmuseum beschreibt den Baum seit dem 19. Jahrhundert als Mittelpunkt des Familien- und Besucherfestes und verweist zugleich auf frühere Belege. Seine Ausbreitung verlief regional unterschiedlich; in manchen Städten lässt er sich früher nachweisen als im ländlichen Umland. [3]
Auch der scheinbar nebensächliche Baumständer erzählt davon. Das Museum zeigt unterschiedliche Lösungen, vom einfachen Holzkreuz bis zu schweren Gefäßen und späteren Metallständern. Der Baum musste im Haus nicht nur schön aussehen, sondern auch einen festen Platz bekommen. [3]
Heute kann der Schmuck zu einem kleinen Familienarchiv werden. Wer einen alten Anhänger weitergibt, kann seine Geschichte dazulegen: von wem er stammt, wann er zum ersten Mal am Baum hing und warum gerade dieses Stück aufgehoben wurde.
05 / Die Weihnachtskrippe
Eine Geschichte wird zum anschaulichen Bild.
Die Weihnachtskrippe stellt das Geschehen der Geburt Jesu vor Augen. Für ihre Brauchgeschichte ist die Feier wichtig, die Franz von Assisi 1223 in Greccio gestaltete. Nach der vom Bistum Regensburg erläuterten Überlieferung ließ er eine Futterkrippe mit Heu herrichten und lebende Tiere herbeibringen; darüber wurde Gottesdienst gefeiert. Es war noch keine geschnitzte Figurengruppe, wie sie heute in vielen Häusern steht. [4]
Die Krippe macht die christliche Erzählung räumlich erfahrbar: Menschen können sich nähern, Einzelheiten entdecken und Figuren miteinander in Beziehung setzen. Im Mittelpunkt steht das Kind. Die dargestellten Personen und Tiere verbinden die Szene mit religiösen Deutungen und örtlichen Gestaltungstraditionen. [4]
Wie unterschiedlich solche Bilder ausfallen, zeigt die Krippensammlung des Bayerischen Nationalmuseums. Sie umfasst Werke aus Süddeutschland, dem Alpenraum und Süditalien. Kleine Figuren, große Inszenierungen und neapolitanische Straßenszenen eröffnen dort einen Blick auf rund drei Jahrhunderte Krippenkunst. [5]
06 / Schenken & Gabenbringer
Wer die Geschenke bringt, hat eine eigene Geschichte.
Christkind und Weihnachtsmann gehören zu verschiedenen Entwicklungen des Weihnachtsbrauchs. Ein Beitrag der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Oldenburg ordnet das Christkind als Gabenbringer in die Reformationszeit ein: Martin Luther förderte die Verlagerung der Bescherung vom Nikolaustag auf Weihnachten. Darstellungen des Christkindes waren dabei schon vorher bekannt. Die Gestalt lässt sich deshalb nicht schlicht als persönliche Erfindung Luthers beschreiben. [6]
Der Weihnachtsmann erhielt im 19. Jahrhundert seine eigenständige Gestalt. Er existierte bereits, bevor ihn die bekannte Getränkewerbung aufgriff. Die Geschichte des heiligen Nikolaus hilft, den früheren Gedenktag und seine Überlieferung von den späteren weihnachtlichen Gabenbringern zu unterscheiden. [6]
Für das eigene Fest muss daraus kein Entweder-oder werden. Interessant ist zunächst, welche Geschichten in einer Familie erzählt werden und wie sie sich verändert haben. Auch ein gemeinsam ausgewähltes Geschenk, eine überraschende Einladung oder Zeit füreinander können dem Schenken eine persönliche Form geben.
07 / Regionale Einblicke
Licht im Fenster, Geschichten am Tisch.
Erzgebirge · Holzkunst und Lichter
Im Erzgebirge gehören Schwibbögen, Pyramiden und geschnitzte Figuren zur Weihnachtskultur. Der regionale Tourismusverband stellt sie zusammen mit Bergparaden und weiteren gemeinschaftlichen Traditionen vor. So begegnet der Weihnachtsschmuck nicht allein in der Wohnung, sondern auch im öffentlichen Leben einer Region. [7]
Erzgebirge · Neunerlei
Ein weiterer Einblick führt an den Esstisch: Beim Neunerlei werden neun Speisen mit Wünschen für das kommende Jahr verbunden. Die Zusammenstellung variiert. Die überlieferten Bedeutungen erzählen von Hoffnungen auf Gesundheit, Auskommen und Freude; sie gehören zum Brauch und zum Gespräch beim Essen. [7]
Krippenlandschaften · Ein Motiv, viele Ausprägungen
Die süddeutschen, alpinen und süditalienischen Beispiele im Bayerischen Nationalmuseum machen sichtbar, wie unterschiedlich Künstlerinnen, Künstler und Werkstätten dieselbe Weihnachtsgeschichte gestalten. Wer eine örtliche Krippe betrachtet, kann nach den vertrauten Landschaften, Häusern und Alltagsszenen darin suchen. [5]
08 / Heute gestalten
Eine eigene kleine Tradition finden.
Diese Anregungen sind Vorschläge für heute. Sie lassen sich allein, mit Freunden oder in der Familie ausprobieren – ohne ein bestimmtes Festprogramm erfüllen zu müssen.
Eine Geschichte zu einem Gegenstand bewahren
Wähle einen Anhänger, eine Krippenfigur oder ein altes Rezept. Frage nach seiner Herkunft und schreibe ein paar Sätze dazu. Auch eine neue Erinnerung darf den Anfang machen. So wächst mit den Jahren mehr als eine Sammlung von Dingen.
Das Vertraute im Ort entdecken
Schau dir eine zugängliche Krippe oder ein geschmücktes Fenster bewusst an. Welche Einzelheiten fallen erst beim zweiten Blick auf? Wenn jemand den Aufbau betreut, lässt sich vielleicht erfahren, wer daran arbeitet und was den Menschen dabei wichtig ist.
Etwas Einfaches miteinander teilen
Ein Lied, ein Spaziergang oder ein Essen können reichen. Wählt etwas, das zu den Anwesenden passt. Eine Tradition muss nicht aufwendig sein, damit man sich im nächsten Jahr gern daran erinnert.
09 / Verbindungen im Jahreskreis
Vom Barbarazweig bis zum Blick auf den Frühling.
Barbarazweige · Vorfreude in einer Vase
Bei den Barbarazweigen beginnt das Warten schon am 4. Dezember. Die erhofften Blüten zur Weihnachtszeit verbinden einen Heiligentag mit Pflanzenbeobachtung und Vorfreude.
Wintersonnenwende & Jul · Die Nachbarschaft im Winter
Unser Dossier zu Wintersonnenwende und Jul erschließt den astronomischen Wendepunkt und nordische Festüberlieferungen. Zusammen mit den Weihnachtsbräuchen wird die Vielfalt der winterlichen Festzeit sichtbar.
Weihnachten im Kalender · Bedeutung und Termin
Der Eintrag zum Weihnachtsfest erläutert die religiöse Bedeutung und den Kalendertermin. Er ergänzt die Geschichten über Baum, Krippe und Geschenke.
Bauernregeln · Was die Wintertage erwarten ließen
Die Regel „Weihnachten im Schnee, Ostern im Klee“ lenkt den Blick vom Fest auf das kommende Frühjahr. Ihre Einordnung erklärt, wie solche überlieferten Wetterbeobachtungen zu verstehen sind. Weitere Verse versammeln die Bauernregeln zum 25. Dezember und die Dezemberübersicht.
10 / Quellen & Weiterlesen
Den Hintergründen nachgehen.
Evangelische Kirche in Deutschland · Weihnachten ↗
Die kirchliche Übersicht erschließt das Geburtsfest Jesu und verschiedene Formen seiner Feier. Sie hilft, den religiösen Anlass neben den häuslichen Bräuchen einzuordnen. Für die Geschichte einzelner Gegenstände ziehen wir zusätzlich Museumsquellen heran; die umfangreiche Übersicht ist keine einheitliche Ursprungserklärung sämtlicher Weihnachtstraditionen.
Deutsches Historisches Museum · Entstehung des bürgerlichen Weihnachtsfestes ↗
Der Beitrag zeigt, wie Baum, Hausmusik und Bescherung das bürgerliche Familienfest im 19. Jahrhundert prägten. Er betrachtet dabei auch den wachsenden Markt für Schmuck und Geschenke. Dieser Blick macht verständlich, weshalb vertraute Weihnachtsbilder eine konkrete Sozialgeschichte besitzen und sich mit den Lebensformen ihrer Zeit verändern.
Germanisches Nationalmuseum · Ein sicherer Halt für den Weihnachtsbaum ↗
Der Aufsatz in KulturGut, Heft 19 von 2008, nähert sich dem Weihnachtsbaum über seine Aufstellung und erhaltene Baumständer. Er verbindet Gegenstände mit Belegen zur regional unterschiedlichen Verbreitung. Gerade dieser Blick auf ein Alltagsdetail macht die Entwicklung des häuslichen Brauchs greifbar. Die Veröffentlichung ist als PDF zugänglich.
Bistum Regensburg · Weihnachtskrippen – 800 Jahre Brauchtum ↗
Die Darstellung erläutert die Feier von Greccio und die religiöse Bedeutung der Krippenfiguren. Sie unterscheidet die dortige Futterkrippe mit lebenden Tieren von späteren geschnitzten Figurengruppen. Die Quelle spricht aus katholischer Perspektive und erschließt besonders die geistliche Bedeutung, die Menschen mit einer Krippe verbinden.
Bayerisches Nationalmuseum · Krippensammlung ↗
Das Museum stellt Krippenkunst aus Süddeutschland, dem Alpenraum und Süditalien vor. Die unterschiedlichen Schauplätze und Inszenierungen zeigen, wie vielfältig eine gemeinsame religiöse Erzählung gestaltet werden kann. Die Sammlungsübersicht bietet einen anschaulichen Ausgangspunkt, um Figuren und regionale Bildwelten genauer zu betrachten.
Evangelisch-Lutherische Kirche in Oldenburg · Christkind und Weihnachtsmann ↗
Der veröffentlichte epd-Beitrag erläutert die Entwicklung der beiden Gabenbringer und die Rolle der Reformation. Er präzisiert die häufig vereinfachte Erzählung, Luther habe das Christkind erfunden, und ordnet den Weihnachtsmann zeitlich ein. So lassen sich Nikolausbrauch, Christkind und moderne Weihnachtsbilder miteinander vergleichen, ohne ihre Unterschiede einzuebnen.
Tourismusverband Erzgebirge · Weihnachtstraditionen ↗
Die regionale Darstellung führt zu Holzkunst, Lichterbräuchen, Bergparaden und dem Neunerlei. Sie vermittelt einen heutigen Blick auf gelebte Weihnachtstraditionen und ihre Bedeutung vor Ort. Als touristische Quelle dient sie hier vor allem für konkrete regionale Beispiele, nicht als Nachweis einer gemeinsamen historischen Herkunft aller Bräuche.